Verloren!
Graziano
kaute auf seiner Zigarre herum. Tabakreste blieben an seiner Zunge
hängen. Ärgerlich spuckte er sie in den Aschenbecher. Verloren!
Kein
verdammter Untergebener widersetzte sich seinen Wünschen.
Graziano
nahm eine frische Zigarre aus der Holzkiste, die auf seinem Schreibtisch
stand. Er knipste ein Ende ab, steckte sich das andere in den Mund und
zündete sie an. Seine wülstigen Lippen öffneten und schlossen sich
rhythmisch. Dicker Rauch quoll aus seinem Mund.
Er
war einfach zu großzügig, zu nachsichtig mit Giovanni. Jeden anderen
hätte er längst zum Teufel gejagt. Sein Fehler.
Giovanni
würde zu spüren bekommen, was es hieß, ihn zu enttäuschen. Ruth
natürlich genauso. Sie trug den wichtigeren Teil der Verantwortung.
Alfredo war ersetzbar.
Leise
klopfte es an der Tür.
„Ja!"
Francesca
trat ein. Das sonst so ordentlich frisierte Haar hing in langen Strähnen
über ihre Schultern. Die weite Hose und eine unförmige Strickjacke
schlabberten um ihren Körper.
„Du
vernachlässigst dich, meine Liebe."
„Was
erwartest du? Dass ich mich schön mache für dich?" Sie stieß ein
humorloses Lachen aus. „Wie geht es jetzt weiter? Was hast du mit mir
vor, wenn Paul auf deine Forderungen nicht eingeht? Giovanni scheint
ebenfalls nicht mehr mitzuspielen. Hat er dich etwa durchschaut?"
Graziano
verzog abfällig das Gesicht: „Ich bin nicht mal sicher, ob er weiß, um
was es geht."
„Giovanni
ist nicht so dumm..." Sie beendete den Satz nicht, als das Telefon
klingelte.
„Ja!"
Graziano legte die Hand über die Muschel und sah sie an. „Du
entschuldigst mich." Francesca wandte sich zur Tür. Doch dann ließ
Grazianos polternde Stimme sie in der Bewegung einfrieren.
„Tot?
– Seit ihr komplett verblödet? - Was soll ich befohlen haben? -
Bin
ich eigentlich nur von Idioten umgeben? Wenn ich damit in
Verbindung gebracht werde, gibt es keinen Ort auf der Welt, an dem ihr
euch vor mir verstecken könnt. Hast du das verstanden! Bringt das in
Ordnung. Wie, ist mir egal." Er knallte den Handapparat auf den
Schreibtisch.
Dann
bemerkte er Francesca, die noch immer im Zimmer stand. Tränen liefen
über ihr Gesicht, rote Flecken lagen auf ihren sonst bleichen Wangen.
„Paul?",
hauchte sie.
„Nein,
Giovanni." Eine Sekunde lang las er Erleichterung in ihren Augen.
„Ihr
Schweine!", schrie Francesca plötzlich. Sie sprang auf Graziano zu
und schlug mit den Fäusten auf ihn ein. „Ihr verdammten Schweine!"
Ihre langen Nägel zogen schmerzhafte Spuren in seinem Nacken.
Er
packte in ihr Haar und bog ihr den Kopf zurück. So lange bis sie
aufschrie.
„Schluss
jetzt!"
Schluchzend
sank Francesca auf dem Teppich zusammen. Die Arme um den Bauch
geschlungen, wiegte sie sich hin und her.
..
Folge 62 ..