Ferieninsel Krautsand - 61 -

 

 

 

 

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Verloren!

Graziano kaute auf seiner Zigarre herum. Tabakreste blieben an seiner Zunge hängen. Ärgerlich spuckte er sie in den Aschenbecher. Verloren!

Kein verdammter Untergebener widersetzte sich seinen Wünschen.

Graziano nahm eine frische Zigarre aus der Holzkiste, die auf seinem Schreibtisch stand. Er knipste ein Ende ab, steckte sich das andere in den Mund und zündete sie an. Seine wülstigen Lippen öffneten und schlossen sich rhythmisch. Dicker Rauch quoll aus seinem Mund.

Er war einfach zu großzügig, zu nachsichtig mit Giovanni. Jeden anderen hätte er längst zum Teufel gejagt. Sein Fehler.

Giovanni würde zu spüren bekommen, was es hieß, ihn zu enttäuschen. Ruth natürlich genauso. Sie trug den wichtigeren Teil der Verantwortung. Alfredo war ersetzbar.

Leise klopfte es an der Tür.

„Ja!"

Francesca trat ein. Das sonst so ordentlich frisierte Haar hing in langen Strähnen über ihre Schultern. Die weite Hose und eine unförmige Strickjacke schlabberten um ihren Körper.

„Du vernachlässigst dich, meine Liebe."

„Was erwartest du? Dass ich mich schön mache für dich?" Sie stieß ein humorloses Lachen aus. „Wie geht es jetzt weiter? Was hast du mit mir vor, wenn Paul auf deine Forderungen nicht eingeht? Giovanni scheint ebenfalls nicht mehr mitzuspielen. Hat er dich etwa durchschaut?"

Graziano verzog abfällig das Gesicht: „Ich bin nicht mal sicher, ob er weiß, um was es geht."

„Giovanni ist nicht so dumm..." Sie beendete den Satz nicht, als das Telefon klingelte.

„Ja!" Graziano legte die Hand über die Muschel und sah sie an. „Du entschuldigst mich." Francesca wandte sich zur Tür. Doch dann ließ Grazianos polternde Stimme sie in der Bewegung einfrieren.

„Tot? – Seit ihr komplett verblödet? - Was soll ich befohlen haben? -

Bin ich eigentlich nur von Idioten umgeben? Wenn ich damit in Verbindung gebracht werde, gibt es keinen Ort auf der Welt, an dem ihr euch vor mir verstecken könnt. Hast du das verstanden! Bringt das in Ordnung. Wie, ist mir egal." Er knallte den Handapparat auf den Schreibtisch.

Dann bemerkte er Francesca, die noch immer im Zimmer stand. Tränen liefen über ihr Gesicht, rote Flecken lagen auf ihren sonst bleichen Wangen.

„Paul?", hauchte sie.

„Nein, Giovanni." Eine Sekunde lang las er Erleichterung in ihren Augen.

„Ihr Schweine!", schrie Francesca plötzlich. Sie sprang auf Graziano zu und schlug mit den Fäusten auf ihn ein. „Ihr verdammten Schweine!" Ihre langen Nägel zogen schmerzhafte Spuren in seinem Nacken.

Er packte in ihr Haar und bog ihr den Kopf zurück. So lange bis sie aufschrie.

„Schluss jetzt!"

Schluchzend sank Francesca auf dem Teppich zusammen. Die Arme um den Bauch geschlungen, wiegte sie sich hin und her.

 

.. Folge 62 ..

© Marion Pletzer

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 09.09.2007