Ferieninsel Krautsand -58 -

 

 

 

 

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„Becker."

„Hallo Paul, hier spricht Rosita. Wir müssen dringend mit dir sprechen. Giovanni und ich sitzen auf dem Hof fest. Kannst du herkommen?"

„Das trifft sich gut. Ich bin gerade auf dem Weg zu euch. Zwei Minuten." Er beendete die Verbindung.

Giovanni holte ein Halfter mit Strick aus dem Stall. Dann folgte er Rosita die Auffahrt hinunter. In diesem Moment bog Beckers Mercedes um die Straßenecke. Er hielt neben Rosita und Giovanni, das Brummen des Motors verstummte.

Becker stieg aus und nickte den beiden zu.

„Du siehst besser aus als vorhin", bemerkte Rosita.

„Ich habe Nachricht von Francesca. Gehen wir lieber rein. Ich erzähle euch alles." Er legte seine Hand auf Rositas Rücken und drückte sie zurück Richtung Haus.

„Nein. Zuerst suchen wir Vento." Giovanni wedelte mit dem Halfter.

Becker drehte sich zu ihm um: „Was ist mit dem Pferd?"

„Abgehauen."

Becker verdrehte die Augen. „Als ob es nichts wichtigeres gäbe als diesen blöden Gaul. Noch dazu ein Verlierer."

„Du hast doch keine Ahnung, du Penner", schnauzte Giovanni ihn an. Drohend hob er die Fäuste und ging einen Schritt auf Becker zu.

„Was willst du denn vertuschen, hä?" Becker schob die Brust raus und lachte hämisch.

„Giovanni! Paul! Schluss jetzt!" Rosita drängelte sich zwischen die beiden Männer, die sich anstarrten wie zwei Kampfhunde in der Pit. „Wir können doch auch im Wagen reden", sagte sie zu Becker. In ihrem Blick lag Flehen.

Becker nickte erneut. Sie fuhren los. Giovanni saß hinter Becker, die Arme verschränkt, den Blick nach draußen gerichtet.

Becker berichtete in kurzen Worten von dem Telefonat mit Francesca.

„Wie schön. Graziano wird sie frei lassen. Da bin ich sicher", erwiderte Rosita, während sie auf ihrer Seite ebenfalls die Umgebung nach dem Hengst absuchte.

„Verlasst euch nicht drauf. Graziano ist zu allem fähig. Paul, was hast du Schlimmes gemacht, dass er Francesca entführt hat?"

„Könnt ihr bitte mit den gegenseitigen Schuldzuweisungen aufhören. So kommen wir nie weiter. Wir stehen doch auf einer Seite. Sollten es zumindest." Rosita wandte sich den Männern zu. Ihre dunklen Augen funkelten.

„Schon gut. Übrigens bekommen wir Hilfe von unerwarteter Seite. Von Herma Prigge", sagte Becker.

„Wer ist das denn?"

„Eine Camperin, die unfreiwillig in die Sache gezogen wurde. Ihr Mann wurde vor eurem Hof niedergeschlagen."

„Was denn – diese penetrante Dicke? Den Mann kenne ich auch. Der lag mit mir im Krankenhaus auf einem Zimmer." Giovanni beugte sich vor, den Kopf in den Zwischenraum der Vordersitze geschoben. „Wie kann die uns denn helfen?"

„Sie versucht Informationen zu sammeln. Ich glaube, wenn wir wirklich weiterkommen wollen, müssen wir uns alle zusammensetzen und die Karten auf den Tisch legen. Nur wenn wir ehrlich miteinander sind - ."

„Halt! Halt!", schrie Giovanni plötzlich. Die drei wurden gegen ihre Sicherheitsgurte gepresst, als Becker auf die Bremse trat und der Wagen kam mit quietschenden Reifen zum Stehen kam.

Giovanni sprang heraus und lief über die Straße in Richtung einer Weide. Vor dem Zaun graste Don Vento friedlich in Gesellschaft einiger anderer Pferde, die auf der Koppel standen. Giovanni verlangsamte das Tempo und sprach mit ruhiger Stimme auf den Hengst ein. Der hob den Kopf, grummelte leise und ließ sich brav das Halfter überziehen. Ein tiefer Atemzug drang aus Giovannis Mund. Mit der flachen Hand streichelte er über Ventos Hals.

„Na, mein Alter. Ich habe einiges gutzumachen an dir." Er führte das Pferd zurück zum Wagen.

„Fahrt schon vor. Ich komme nach. Und dann erzähle ich alles, was ich weiß. Ehrlich", sagte er zu Becker.

Mit langen Schritten marschierte Giovanni in Richtung Krautsand. Ventos Hufeisen klapperten auf dem Pflaster.

Es gab so viele Ungereimtheiten. Sicher hatte Becker Recht. Nur wenn sie ihr Wissen austauschten, gab es eine Chance auf Aufklärung.

Hinter ihm hörte er ein sich näherndes Motorengeräusch. Vento spitzte die Ohren, begann zu tänzeln.

„Ruhig, Alter. Ist nur ein Auto." Plötzlich ertönte lautes Hupen. Lang anhaltend. Vento sprang zur Seite und zog Giovanni den Strick durch die Hand. Der Schmerz nahm ihm den Atem. Er ließ los, Vento preschte davon.

Nein, nicht schon wieder. Giovanni schrie einen Fluch und drehte sich auf dem Absatz herum. Er sah noch, wie das Auto auf ihn zuraste. Bevor er einen Gedanken fassen konnte, rammte ihn der Kühler. Er flog durch die Luft. Dass er auf dem Boden aufschlug, merkte er nicht mehr. Der Wagen brauste davon.

 

.. Folge 59 ..

© Marion Pletzer

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 09.09.2007