Ferieninsel Krautsand -57 -

 

 

 

 

Home
Nach oben
Mitglieder
Veröffentlichungen
Schreibwerk-"zeug"
Disclaimer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herma dachte an ihren vorgestrigen Abendausflug mit dem Fahrrad zum Gehöft. Von dieser Aktion wusste Willi natürlich nichts. Mit geheimnisvollem Ton in der Stimme fragte sie: „Hatte die Frau dunkle Haare und war vielleicht ein Hund in der Nähe?"

„Fang mir ja nicht wieder mit deinem dilettantischen Detektivprogramm an", brüllte Willi. „Das haben wir doch wohl durch. Dir darf man aber auch gar nichts erzählen. Ich werde das alles da angeben, wo es hingehört, bei der Polizei, basta."

„Ist ja schon gut, Willi, reg dich nicht auf, denk an deine Gesundheit. Hat der Arzt eigentlich schon mal was von Entlassung gesagt?"

„Du bist ein Scherzkeks. So schnell geht das nicht, wenn man den Schädel gebrochen hat. Morgen früh werden sie noch mal röntgen, danach entscheidet sich, ob ich aufstehen und herumlaufen darf."

„Herrgott, dann brauchst du ja noch Sachen zum Anziehen." Sie ging zum Schrank und packte Willis Schmutzwäsche in die blaurotgelb gestreifte Badetasche. „Die Schlafanzüge und Unterhosen nehme ich nachher mit, bring dir morgen neue, auch T-Shirts zum Wechseln", sagte sie und setzte sich zurück an das Bett. „So, und jetzt gibt’s erst mal Mon Cherie. Hier, für dich." Sie legte ihm die Pralinenschachtel auf das Bett.

„Endlich wirst du wieder vernünftig. Mach auf das Ding. Du nimmst dir aber auch davon." Seine roten Stressflecken im Gesicht und am Hals verblassten allmählich.

„Mach ich. So, und nun lass gut sein. Ich erzähl dir jetzt, wie es heute war."

Während Herma vom Elbstrandrennen und dem unerklärlichen Ausscheiden von Willis ehemaligem Bettnachbarn Giovanni Pavarese und Don Vento erzählte, machten sie gemeinsam die ganze Schachtel leer.

„So, nun muss ich aber", sagte Herma und schaute auf die Uhr. „Wenn ich mich beeile, kriege ich den Bus nach Krautsand, war ein langer Tag heute."

 

Als sie den Reißverschluss der Vorzelttür hochzog, spürte sie, dass etwas nicht stimmte. Sie ging hinein. Und richtig. Die Tür zum Caravan war nur angelehnt, das Schloss aufgebrochen. Ihr Herz klopfte bis zu Hals. Was sollte sie tun? Hineingehen? Vielleicht war da ja noch jemand drin. So schnell sie konnte, humpelte sie zu Kurt und Christel. Gott sei Dank saßen die in ihrem Wohnwagen. Vor Aufregung konnte sie kaum sprechen.

„Helft mir, bei uns ist eingebrochen worden."
Auf der Stelle legten beide die Spielkarten auf den Tisch und sprangen auf.

„Diese Schweine", schimpfte Kurt. „Warum haben wir denn nichts davon mitgekriegt? Wurde was geklaut?"

„Weiß ich nicht. Hab's doch gerade erst gemerkt und bin gleich zu euch gekommen."

 

Sie fanden ein unbeschreibliches Durcheinander vor, alle Schränke waren durchwühlt. Jedoch schien nichts zerstört zu sein.

„Fehlt denn was?", fragte Kurt.

„Weiß nicht. Ich bin auch noch zu aufgeregt."

„Hat das mit den seltsamen Leuten auf dem Festplatz zu tun, hinter denen du heute her gelaufen bist?", stichelte Christel.

„Die kannte ich doch selber nicht." Wie kleinlaut Herma geworden war!

„Jedenfalls gehört diese Bescherung hier schnellstens von der Polizei aufgenommen. Wo kommen wir denn hin, wenn wir selbst hier auf unserem Platz schon von Verbrechern verfolgt werden? Ich ruf da jetzt an. Bleibt ihr hier, Mädels, und nichts verändern. Ich bin sofort zurück."

 

.. Folge 58 ..

© Renate Hupfeld

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 09.09.2007