Herma
dachte an ihren vorgestrigen Abendausflug mit dem Fahrrad zum Gehöft. Von
dieser Aktion wusste Willi natürlich nichts. Mit geheimnisvollem Ton in
der Stimme fragte sie: „Hatte die Frau dunkle Haare und war vielleicht
ein Hund in der Nähe?"
„Fang
mir ja nicht wieder mit deinem dilettantischen Detektivprogramm an",
brüllte Willi. „Das haben wir doch wohl durch. Dir darf man aber auch
gar nichts erzählen. Ich werde das alles da angeben, wo es hingehört,
bei der Polizei, basta."
„Ist
ja schon gut, Willi, reg dich nicht auf, denk an deine Gesundheit. Hat der
Arzt eigentlich schon mal was von Entlassung gesagt?"
„Du
bist ein Scherzkeks. So schnell geht das nicht, wenn man den Schädel
gebrochen hat. Morgen früh werden sie noch mal röntgen, danach
entscheidet sich, ob ich aufstehen und herumlaufen darf."
„Herrgott,
dann brauchst du ja noch Sachen zum Anziehen." Sie ging zum Schrank
und packte Willis Schmutzwäsche in die blaurotgelb gestreifte Badetasche.
„Die Schlafanzüge und Unterhosen nehme ich nachher mit, bring dir
morgen neue, auch T-Shirts zum Wechseln", sagte sie und setzte sich
zurück an das Bett. „So, und jetzt gibt’s erst mal Mon Cherie. Hier,
für dich." Sie legte ihm die Pralinenschachtel auf das Bett.
„Endlich
wirst du wieder vernünftig. Mach auf das Ding. Du nimmst dir aber auch
davon." Seine roten Stressflecken im Gesicht und am Hals verblassten
allmählich.
„Mach
ich. So, und nun lass gut sein. Ich erzähl dir jetzt, wie es heute
war."
Während
Herma vom Elbstrandrennen und dem unerklärlichen Ausscheiden von Willis
ehemaligem Bettnachbarn Giovanni Pavarese und Don Vento erzählte, machten
sie gemeinsam die ganze Schachtel leer.
„So,
nun muss ich aber", sagte Herma und schaute auf die Uhr. „Wenn ich
mich beeile, kriege ich den Bus nach Krautsand, war ein langer Tag
heute."
Als
sie den Reißverschluss der Vorzelttür hochzog, spürte sie, dass etwas
nicht stimmte. Sie ging hinein. Und richtig. Die Tür zum Caravan war nur
angelehnt, das Schloss aufgebrochen. Ihr Herz klopfte bis zu Hals. Was
sollte sie tun? Hineingehen? Vielleicht war da ja noch jemand drin. So
schnell sie konnte, humpelte sie zu Kurt und Christel. Gott sei Dank
saßen die in ihrem Wohnwagen. Vor Aufregung konnte sie kaum sprechen.
„Helft
mir, bei uns ist eingebrochen worden."
Auf der Stelle legten beide die Spielkarten auf den Tisch und sprangen
auf.
„Diese
Schweine", schimpfte Kurt. „Warum haben wir denn nichts davon
mitgekriegt? Wurde was geklaut?"
„Weiß
ich nicht. Hab's doch gerade erst gemerkt und bin gleich zu euch
gekommen."
Sie
fanden ein unbeschreibliches Durcheinander vor, alle Schränke waren
durchwühlt. Jedoch schien nichts zerstört zu sein.
„Fehlt
denn was?", fragte Kurt.
„Weiß
nicht. Ich bin auch noch zu aufgeregt."
„Hat
das mit den seltsamen Leuten auf dem Festplatz zu tun, hinter denen du
heute her gelaufen bist?", stichelte Christel.
„Die
kannte ich doch selber nicht." Wie kleinlaut Herma geworden war!
„Jedenfalls
gehört diese Bescherung hier schnellstens von der Polizei aufgenommen. Wo
kommen wir denn hin, wenn wir selbst hier auf unserem Platz schon von
Verbrechern verfolgt werden? Ich ruf da jetzt an. Bleibt ihr hier,
Mädels, und nichts verändern. Ich bin sofort zurück."
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Folge 58 ..