Immer
wieder kam Alfredo an eine Stelle, wo seine Straße im Nichts endete und
er mühsam wenden musste. Nach einer dreiviertel Stunde im Zickzack
zwischen Wiesen und Feldern hielt er an. Wo, bei der Mutter Gottes, war er
gelandet? Er drehte sich nach dem Ortsschild hinter sich um: „S-t-e-l-l-e-n-f-l-e-e-t-h."
Kein Ort, der auf der Karte im Handschuhfach verzeichnet war.
Alfredo
zündete sich eine Zigarette an und stieg aus. Mit der Zigarette
verrauchte auch sein Ärger. Er setzte sich auf die Böschung eines
Wassergrabens neben der Straße, hielt sein Gesicht dem bisschen
Sonnenwärme entgegen, das hin und wieder durch die dichter werdenden
Wolken drang und dachte mit geschlossenen Augen nach. Er brauchte Don
Vento, Giovanni und Graziano, so viel war ihm klar. Nur in welcher
Reihenfolge?
Die
Kippe verbrannte ihm die Fingerspitzen. Fluchend warf er sie in den
Graben, wo sie zischend verlosch. Er zündete sich eine neue Zigarette an
und wählte dann Ruths Nummer. Sie würde hoffentlich wissen, was zu tun
war.
„Alfredo,
du bist ein Kindskopf!" Er sah sie vor
sich, wie sich ihre Katzenaugen zu Schlitzen verengten und das Gesicht zu
ihrem Fauchen passte. „Könnt ihr Männer nicht einmal etwas richtig
machen?"
„Ruth,
du hast es nicht verstanden! Da ist etwas passiert, woran weder ich noch
Giovanni beteiligt waren."
„Ich
war bei dem Rennen."
Alfredo
überlief es eiskalt und die Zigarette entfiel seinen zitternden Fingern.
Aber er wagte nicht zu fragen, warum sie sich nicht hatte blicken lassen.
Plötzlich kam ihm der Verdacht, dass sie ihr eigenes Süppchen kochte und
ihn genauso benutzte wie den armen Giovanni.
Sie
wurde wieder sachlich. „Weiß Graziano schon Bescheid?"
„Ich
denke nein; wir haben ihn jedenfalls nicht angerufen." Er räusperte
sich. „Giovanni hat sich wohl nicht getraut; erst recht nicht, nachdem
der Gaul weg war."
„Sag
ihm, dass es einen Anschlag auf sein Pferd gegeben hat." Sie lachte
auf. „Falls ihr es beweisen könnt."
„Beweisen?"
Undeutlich hörte er sie etwas auf deutsch sagen; oder war es
holländisch? Wer war dort und hörte zu? Automatisch presste er das Handy
fester ans Ohr, aber auch das trug natürlich nicht dazu bei, mehr zu
verstehen. „Glaubst du mir nicht?"
Die
Frage war ein Fehler; sie fauchte schon wieder. „Ob ich euch glaube, ist
völlig belanglos. Graziano müsst ihr überzeugen?"
„Wie
... wie denn?"
Ihre
Stimme dröhnte so laut, dass sein Ohr zu vibrieren schien. „Hat der
liebe Gott vergessen, dir ein Hirn einzubauen? Bringt den Gaul in die
Tierklinik und lasst ihn untersuchen."
So
musste sich eine Katze vorkommen, wenn sie versuchte, in ihren eigenen
Schwanz zu beißen. Er räusperte sich und zog den Kopf zwischen die
Schultern. „Aber Don Vento ist doch weg."
„Und
vertrag dich mit Giovanni. So lange wir nicht wissen, was gespielt wird,
betrachten wir ihn als unseren Verbündeten."
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Folge 56 ..