Ferieninsel Krautsand -55 -

 

 

 

 

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Immer wieder kam Alfredo an eine Stelle, wo seine Straße im Nichts endete und er mühsam wenden musste. Nach einer dreiviertel Stunde im Zickzack zwischen Wiesen und Feldern hielt er an. Wo, bei der Mutter Gottes, war er gelandet? Er drehte sich nach dem Ortsschild hinter sich um: „S-t-e-l-l-e-n-f-l-e-e-t-h." Kein Ort, der auf der Karte im Handschuhfach verzeichnet war.

Alfredo zündete sich eine Zigarette an und stieg aus. Mit der Zigarette verrauchte auch sein Ärger. Er setzte sich auf die Böschung eines Wassergrabens neben der Straße, hielt sein Gesicht dem bisschen Sonnenwärme entgegen, das hin und wieder durch die dichter werdenden Wolken drang und dachte mit geschlossenen Augen nach. Er brauchte Don Vento, Giovanni und Graziano, so viel war ihm klar. Nur in welcher Reihenfolge?

Die Kippe verbrannte ihm die Fingerspitzen. Fluchend warf er sie in den Graben, wo sie zischend verlosch. Er zündete sich eine neue Zigarette an und wählte dann Ruths Nummer. Sie würde hoffentlich wissen, was zu tun war.

„Alfredo, du bist ein Kindskopf!" Er sah sie vor sich, wie sich ihre Katzenaugen zu Schlitzen verengten und das Gesicht zu ihrem Fauchen passte. „Könnt ihr Männer nicht einmal etwas richtig machen?"

„Ruth, du hast es nicht verstanden! Da ist etwas passiert, woran weder ich noch Giovanni beteiligt waren."

„Ich war bei dem Rennen."

Alfredo überlief es eiskalt und die Zigarette entfiel seinen zitternden Fingern. Aber er wagte nicht zu fragen, warum sie sich nicht hatte blicken lassen. Plötzlich kam ihm der Verdacht, dass sie ihr eigenes Süppchen kochte und ihn genauso benutzte wie den armen Giovanni.

Sie wurde wieder sachlich. „Weiß Graziano schon Bescheid?"

„Ich denke nein; wir haben ihn jedenfalls nicht angerufen." Er räusperte sich. „Giovanni hat sich wohl nicht getraut; erst recht nicht, nachdem der Gaul weg war."

„Sag ihm, dass es einen Anschlag auf sein Pferd gegeben hat." Sie lachte auf. „Falls ihr es beweisen könnt."

„Beweisen?" Undeutlich hörte er sie etwas auf deutsch sagen; oder war es holländisch? Wer war dort und hörte zu? Automatisch presste er das Handy fester ans Ohr, aber auch das trug natürlich nicht dazu bei, mehr zu verstehen. „Glaubst du mir nicht?"

Die Frage war ein Fehler; sie fauchte schon wieder. „Ob ich euch glaube, ist völlig belanglos. Graziano müsst ihr überzeugen?"

„Wie ... wie denn?"

Ihre Stimme dröhnte so laut, dass sein Ohr zu vibrieren schien. „Hat der liebe Gott vergessen, dir ein Hirn einzubauen? Bringt den Gaul in die Tierklinik und lasst ihn untersuchen."

So musste sich eine Katze vorkommen, wenn sie versuchte, in ihren eigenen Schwanz zu beißen. Er räusperte sich und zog den Kopf zwischen die Schultern. „Aber Don Vento ist doch weg."

„Und vertrag dich mit Giovanni. So lange wir nicht wissen, was gespielt wird, betrachten wir ihn als unseren Verbündeten."

 

.. Folge 56 ..

© Annemarie Nikolaus

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 12.09.2007