„Dieser
verdammte Scheißkerl!" Giovanni stampfte mit dem Fuß auf, sein
Gesicht lief rot an.
„Madonna,
was ist denn los mit dir? Beruhige dich!" Rosita legte Giovanni eine
Hand auf den Arm, die er mit einer heftigen Bewegung abschüttelte.
„Ich
will mich nicht beruhigen." Rosita zuckte zusammen, dann baute sie
sich vor ihm auf.
„Schrei
mich nicht an! Wenn du ein Problem hast, bin ich für dich da. Wenn du nur
schreien willst, gehe ich auf der Stelle."
Giovanni
ließ die Schulter fallen und sah sie zerknirscht an.
„Entschuldige.
Die letzten Tage waren hart. Ich muss die Polizei anrufen." Er zog
sein Handy aus der Tasche und tippte die Nummer des Notrufs. Knapp
erklärte er dem Beamten Don Ventos Verschwinden und bat um Hilfe. „Es
handelt sich um ein wertvolles Rennpferd. Ich fahr ebenfalls gleich los,
um ihn zu suchen." Er nannte seine Handynummer, bedankte sich und
legte auf. Nachdenklich sah er Rosita an.
„In
letzter Zeit geht alles schief. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll.
Ich weiß nicht mal, wem ich noch vertrauen kann." Er lächelte
gequält. „Außer dir natürlich."
„Komm,
setzen wir uns. Und dann erzähl der Reihe nach." Rosita drängte ihn
zu einer wackligen Holzbank.
Giovanni
starrte einen Moment lang auf seine Füße, mit denen er kleine Kreise in
den Sand zeichnete.
„Wenn
ich es genau bedenke, begann alles mit Ruth." Er hob den Kopf und
blickte über den Deich. „Francesca stellte sie mir auf einer
Siegesfeier nach einem Rennen vor. Eine neue Kollegin, die wenige Wochen
zuvor in Francescas Abteilung angefangen hatte. Von Ruth ging so eine
Entschlossenheit aus. Und eine Art Zügellosigkeit, die sie ungeheuer sexy
machte. Noch an diesem Abend verliebte ich mich in sie." Er lachte
kurz auf. „Ich konnte nicht genug von ihr bekommen. Einige Wochen
später sprach sie zum ersten Mal von einem eigenen Rennstall. Dass der
unsere Zukunft wäre. Dass sie sich keinen anderen Partner dafür
vorstellen könnte als mich. Du ahnst nicht, wie glücklich mich diese
Vorstellung machte. Dann sprach sie von Geld und wie wir es leicht
bekämen. Sie besäße ein neues Mittel, mit dem die Leistungsfähigkeit
von Pferden gesteigert werden könne. Nicht nachweisbar. Nebenwirkungen?
Natürlich keine. Gott, war ich blöd. Wie verblendet von…" Er
stockte als Rosita ihn mit aufgerissenen Augen ansah.
„Doping?",
flüsterte sie.
Giovanni
nickte. „Ruth ist skrupellos. Sie hat mich benutzt und hintergangen. Ich
bin auf sie hereingefallen." Seine Stimme klang verbittert. „Graziano
hängt ebenfalls mit drin. Vermutlich auch Alfredo. Ich habe keine Ahnung,
wer sonst noch."
„Wir
müssen uns jemandem anschließen, der auf unserer Seite steht. Paul
Becker wäre der erste, der mir einfällt. Lass uns zu ihm fahren",
schlug Rosita vor.
„Du
hast Recht. Wir brauchen Verbündete. Aber zuerst müssen wir Vento
suchen." Auf einmal sprang Giovanni auf. „Der Hengst ist in Gefahr.
Wenn Alfredo ihn vor uns findet, lässt er ihn womöglich verschwinden.
Oder schlimmeres. Komm!" Sie liefen zu Rositas Auto.
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Folge 55 ..