Warum
besaß sie kein Handy? Dabei hatte Elli ihr eins zum Geburtstag geschenkt.
Doch statt zu lernen, wie man es benutzt, hatte sie es ihrem Sohn
geschenkt. Und jetzt könnte sie es gebrauchen. Ob Christel sie vermissen
und die Polizei rufen würde? Nicht nach dem Nachmittag, wahrscheinlich
würde Christel erst in ein paar Tagen wieder mit ihr sprechen wollen. Und
Willi? Der dachte sicher, ihr Detektivspiel wäre ihm wichtiger als er.
Die Zeit schien stillzustehen.
„Frau
Prigge, ich suche Sie schon überall." Herr Becker lief die Treppe
herunter. „Entschuldigen Sie bitte, aber das Gespräch war
wichtig."
Herma
atmete erleichtert auf. „Ich habe einen Ausgang gesucht."
„Und
ich schließe abends und am Wochenende immer ab, damit kein Fremder das
leere Büro betritt. Ich bin in Eile. Wollen Sie immer noch
telefonieren?"
„Gern,
ich brauche einen Rat von meiner Freundin. Aber es ist ein Gespräch nach
Italien."
Herr
Becker geleitete sie in sein Büro zurück, zwei Türen von ihrem Platz
auf der Treppe entfernt, und reichte ihr sein Telefon. Dann nahm er sich
einen Ordner aus dem Schrank und setzte sich damit an seinen Schreibtisch.
Natürlich
hatte Elli ihr Handy eingeschaltet. Auf sie war Verlass. Herma drehte sich
zum Fenster, damit Herr Becker nicht alles verstand.
„Elli,
kannst du für mich nach einem gewissen Giovanni Pavarese forschen? Ja,
einem Jockey aus Perugia. Und nach Francesco Galotti, Besitzer einer
Pizzeria in Drochtersen? Es geht um merkwürdige Pferderennen, vielleicht
Wettbetrug und dem Verschwinden von Francesca Becker. Außerdem wurde
Willi zusammengeschlagen."
„Wie
geht es Willi?" Ellis Stimme war deutlich zu hören.
„Ganz
gut, er liegt mit Knochenbrüchen und einer Gehirnerschütterung im
Krankenhaus."
„Grüß
ihn von mir. Ich werde mit Laura sprechen, mache dir aber nicht zu viel
Hoffnung, dass wir etwas erfahren."
Herma
drehte sich um und reichte Herrn Becker das Telefon. Er sah sie
durchdringend an. Herma lief ein Schauer über den Rücken. Sie ließ
ihren Blick durch den Raum streifen. Gab es irgendetwas, was als Waffe
taugte? Vielleicht die Kristallskulptur auf dem kleinen Tisch?
„Sie
kennen jemanden von der italienischen Polizei?"
„Wie
kommen Sie darauf?" Herma schob sich langsam Richtung Tischchen.
„Sie
haben so laut gesprochen, dass es unmöglich war, wegzuhören. Sogar die
Antworten ihrer Freundin habe ich verstanden."
„Und
wenn es so wäre?" Herma funkelte ihn an.
„Meine
Frau ist in Italien. Ich brauche einen vertrauenswürdigen
Polizisten."
„Ich
denke, Ihre Frau ist verschwunden?"
„Ich
habe gerade mit ihr telefoniert." Er lächelte sie an. „Wir müssen
uns vertrauen, wenn wir weiterkommen wollen. Ich bringe Sie ins
Krankenhaus und Sie überlegen es sich, ob Sie mir die Adresse Ihrer
Freundin geben." Ohne auf eine Antwort zu warten, nahm er ihren Arm
und stützte sie auf dem Weg zum Auto.
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Folge 54 ..