Ferieninsel Krautsand -53 -

 

 

 

 

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Warum besaß sie kein Handy? Dabei hatte Elli ihr eins zum Geburtstag geschenkt. Doch statt zu lernen, wie man es benutzt, hatte sie es ihrem Sohn geschenkt. Und jetzt könnte sie es gebrauchen. Ob Christel sie vermissen und die Polizei rufen würde? Nicht nach dem Nachmittag, wahrscheinlich würde Christel erst in ein paar Tagen wieder mit ihr sprechen wollen. Und Willi? Der dachte sicher, ihr Detektivspiel wäre ihm wichtiger als er. Die Zeit schien stillzustehen.

„Frau Prigge, ich suche Sie schon überall." Herr Becker lief die Treppe herunter. „Entschuldigen Sie bitte, aber das Gespräch war wichtig."

Herma atmete erleichtert auf. „Ich habe einen Ausgang gesucht."

„Und ich schließe abends und am Wochenende immer ab, damit kein Fremder das leere Büro betritt. Ich bin in Eile. Wollen Sie immer noch telefonieren?"

„Gern, ich brauche einen Rat von meiner Freundin. Aber es ist ein Gespräch nach Italien."

Herr Becker geleitete sie in sein Büro zurück, zwei Türen von ihrem Platz auf der Treppe entfernt, und reichte ihr sein Telefon. Dann nahm er sich einen Ordner aus dem Schrank und setzte sich damit an seinen Schreibtisch.

Natürlich hatte Elli ihr Handy eingeschaltet. Auf sie war Verlass. Herma drehte sich zum Fenster, damit Herr Becker nicht alles verstand.

„Elli, kannst du für mich nach einem gewissen Giovanni Pavarese forschen? Ja, einem Jockey aus Perugia. Und nach Francesco Galotti, Besitzer einer Pizzeria in Drochtersen? Es geht um merkwürdige Pferderennen, vielleicht Wettbetrug und dem Verschwinden von Francesca Becker. Außerdem wurde Willi zusammengeschlagen."

„Wie geht es Willi?" Ellis Stimme war deutlich zu hören.

„Ganz gut, er liegt mit Knochenbrüchen und einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus."

„Grüß ihn von mir. Ich werde mit Laura sprechen, mache dir aber nicht zu viel Hoffnung, dass wir etwas erfahren."

Herma drehte sich um und reichte Herrn Becker das Telefon. Er sah sie durchdringend an. Herma lief ein Schauer über den Rücken. Sie ließ ihren Blick durch den Raum streifen. Gab es irgendetwas, was als Waffe taugte? Vielleicht die Kristallskulptur auf dem kleinen Tisch?

„Sie kennen jemanden von der italienischen Polizei?"

„Wie kommen Sie darauf?" Herma schob sich langsam Richtung Tischchen.

„Sie haben so laut gesprochen, dass es unmöglich war, wegzuhören. Sogar die Antworten ihrer Freundin habe ich verstanden."

„Und wenn es so wäre?" Herma funkelte ihn an.

„Meine Frau ist in Italien. Ich brauche einen vertrauenswürdigen Polizisten."

„Ich denke, Ihre Frau ist verschwunden?"

„Ich habe gerade mit ihr telefoniert." Er lächelte sie an. „Wir müssen uns vertrauen, wenn wir weiterkommen wollen. Ich bringe Sie ins Krankenhaus und Sie überlegen es sich, ob Sie mir die Adresse Ihrer Freundin geben." Ohne auf eine Antwort zu warten, nahm er ihren Arm und stützte sie auf dem Weg zum Auto.

 

.. Folge 54 ..

© Annette Paul

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 31.08.2007