Ferieninsel Krautsand - 48 -

 

 

 

 

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Giovanni quetschte sich neben Don Vento in den Anhänger. Das Pferd zitterte noch immer, als habe es Schüttelfrost. Dabei hatte der Tierarzt gar kein Fieber festgestellt. Genau genommen hatte er überhaupt nichts festgestellt.

Giovanni knüllte den Zettel mit der Adresse der Tierklinik in die Jackentasche und lehnte seinen Kopf an Don Ventos Hals. Leise sprach er auf ihn ein. „Was soll ich bloß tun?"

Der Anhänger ruckte, als Alfredo langsam anfuhr; Giovanni klammerte sich am Kopfzeug fest. Ihm schien, als würde Don Vento ruhiger. Mit der freien Hand fuhr er ihm über das schweißnasse Fell. „Wenn sie dich in der Tierklinik auf den Kopf stellen ... Weiß der Henker, wonach sie suchen würden ..."

Don Vento schnaubte und Giovanni lächelte unwillkürlich. Als ob das Tier ihn verstünde.

Alfredo fuhr eine Kurve; Don Vento bewegte sich und drückte Giovanni gegen die Seitenwand. Die Musik wurde leiser und ein Lautsprecher quäkte. „Die Teilnehmerinnen unseres Hutwettbewerbs ..." Alfredo fuhr schneller und der Lärm der Rennbahn blieb hinter ihnen zurück.

Ein paar Minuten später ging es bergauf; dann hielt das Gespann und Alfredo riss die Tür auf. „Lebt ihr noch?"

Giovanni krampfte die Hände zusammen und biss sich auf die Lippen. Er wartete, dass Alfredo die Rampe herunterklappte, während er leise mit Don Vento sprach. Dann führte er ihn rückwärts die Rampe hinunter.

Alfredo stand zwei Schritte entfernt und streckte eine Hand aus, um Don Vento zu übernehmen.

„Ich mache das!" Giovanni führte Don Vento zum Stall und schlang den Führungszügel lose um den Holm davor.

„Wie geht es ihm?" Alfredo umkreiste sie beide. „Du musst Graziano anrufen."

„Um ihm was zu sagen?" Giovanni legte eine Hand auf das weiche Pferdemaul und betrachtete die Augen des Pferdes. Sie waren klar wie immer; nur blinzelte er, als fühle er sich vom hellen Sonnenlicht geblendet. Giovanni drehte ihn und Don Vento hörte auf zu blinzeln. Wovon wurde ein Pferd lichtempfindlich?

Alfredo verfolgte jede Bewegung und verstand. „Meinst du, er ist stehen geblieben, weil er geblendet wurde?"

Giovanni schüttelte den Kopf. „Sicher nicht allein deshalb. Schau ihn dir doch an." Er ließ ihn los und musterte ihn Zentimeter für Zentimeter.

„Was suchst du?"

„irgendjemand hat ihm etwas getan." Giovanni blieb stehen und sah Alfredo an. „ich war vor dem Rennen ein paar Minuten bei diesen stronzi von der Rennleitung. Und du – wo warst du?" Er bückte sich und strich über eine Stelle am Hinterlauf, die ihm quasi geschwollen erschien im Vergleich zur Umgebung. Er spürte etwas Hartes im Fell und hockte sich vor dem Pferd hin, um das näher zu untersuchen.

Er betastete die auffällige Stelle und schob die Haare beiseite. Don Vento wieherte und keilte. Giovanni stürzte und fiel auf den Rücken. Das Pferd keilte noch einmal aus; Giovanni brachte sich mit einer Rolle vor den Hufen in Sicherheit.

Don Vento riss wiehernd den Kopf hoch und während Alfredo starrte und den Mund nicht mehr zubekam, raste er davon.

 

.. Folge 49 ..

© Annemarie Nikolaus

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 25.08.2007