Giovanni
quetschte sich neben Don Vento in den Anhänger. Das Pferd zitterte noch
immer, als habe es Schüttelfrost. Dabei hatte der Tierarzt gar kein
Fieber festgestellt. Genau genommen hatte er überhaupt nichts
festgestellt.
Giovanni
knüllte den Zettel mit der Adresse der Tierklinik in die Jackentasche und
lehnte seinen Kopf an Don Ventos Hals. Leise sprach er auf ihn ein. „Was
soll ich bloß tun?"
Der
Anhänger ruckte, als Alfredo langsam anfuhr; Giovanni klammerte sich am
Kopfzeug fest. Ihm schien, als würde Don Vento ruhiger. Mit der freien
Hand fuhr er ihm über das schweißnasse Fell. „Wenn sie dich in der
Tierklinik auf den Kopf stellen ... Weiß der Henker, wonach sie suchen
würden ..."
Don
Vento schnaubte und Giovanni lächelte unwillkürlich. Als ob das Tier ihn
verstünde.
Alfredo
fuhr eine Kurve; Don Vento bewegte sich und drückte Giovanni gegen die
Seitenwand. Die Musik wurde leiser und ein Lautsprecher quäkte. „Die
Teilnehmerinnen unseres Hutwettbewerbs ..." Alfredo fuhr schneller
und der Lärm der Rennbahn blieb hinter ihnen zurück.
Ein
paar Minuten später ging es bergauf; dann hielt das Gespann und Alfredo
riss die Tür auf. „Lebt ihr noch?"
Giovanni
krampfte die Hände zusammen und biss sich auf die Lippen. Er wartete,
dass Alfredo die Rampe herunterklappte, während er leise mit Don Vento
sprach. Dann führte er ihn rückwärts die Rampe hinunter.
Alfredo
stand zwei Schritte entfernt und streckte eine Hand aus, um Don Vento zu
übernehmen.
„Ich
mache das!" Giovanni führte Don Vento zum Stall und schlang den
Führungszügel lose um den Holm davor.
„Wie
geht es ihm?" Alfredo umkreiste sie beide. „Du musst Graziano
anrufen."
„Um
ihm was zu sagen?" Giovanni legte eine Hand auf das weiche Pferdemaul
und betrachtete die Augen des Pferdes. Sie waren klar wie immer; nur
blinzelte er, als fühle er sich vom hellen Sonnenlicht geblendet.
Giovanni drehte ihn und Don Vento hörte auf zu blinzeln. Wovon wurde ein
Pferd lichtempfindlich?
Alfredo
verfolgte jede Bewegung und verstand. „Meinst du, er ist stehen
geblieben, weil er geblendet wurde?"
Giovanni
schüttelte den Kopf. „Sicher nicht allein deshalb. Schau ihn dir doch
an." Er ließ ihn los und musterte ihn Zentimeter für Zentimeter.
„Was
suchst du?"
„irgendjemand
hat ihm etwas getan." Giovanni blieb stehen und sah Alfredo an. „ich
war vor dem Rennen ein paar Minuten bei diesen stronzi von der
Rennleitung. Und du – wo warst du?" Er bückte sich und strich
über eine Stelle am Hinterlauf, die ihm quasi geschwollen erschien im
Vergleich zur Umgebung. Er spürte etwas Hartes im Fell und hockte sich
vor dem Pferd hin, um das näher zu untersuchen.
Er
betastete die auffällige Stelle und schob die Haare beiseite. Don Vento
wieherte und keilte. Giovanni stürzte und fiel auf den Rücken. Das Pferd
keilte noch einmal aus; Giovanni brachte sich mit einer Rolle vor den
Hufen in Sicherheit.
Don
Vento riss wiehernd den Kopf hoch und während Alfredo starrte und den
Mund nicht mehr zubekam, raste er davon.
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Folge 49 ..