Herma
ließ sich auf den Beifahrersitz fallen. Becker lenkte mit quietschenden
Reifen aus der Parklücke auf die Hauptstraße.
„Angeber",
dachte Herma und bereute ihren spontanen Entschluss sofort. Christel hatte
wütend gefaucht, sie brauche sich überhaupt nicht mehr bei ihr blicken
zu lassen, erst diese Detektivspielerei beim Rennen, die Blamage bei der
Hutprämierung und jetzt das. Es stimmte. Sie standen wie
Schießbudenfiguren auf dem Podest, das Publikum lächelte erst, dann
grölten und beklatschten sie auffällig ironisch ihre Kunstwerke. Das
schlimmste war, dass Christel alles laut und offen vor Becker und den
Umstehenden hervorstieß. Zum Schluss hatte sie geschrieen: „Und Willi?
Dein armer Mann liegt im Krankenhaus und wartet auf dich und du haust mit
einem anderen ab?"
Das
war so aberwitzig, dass Herma husten musste.
„Ist
die Lüftung zu hoch eingestellt?", fragte Becker.
„Nein."
Herma räusperte sich, um nicht wieder zu husten.
„Darf
ich fragen, was Ihrem Mann fehlt?"
„Grips",
wollte Herma sagen, aber zum Glück hinderte ein neuer Hustenanfall sie
daran. „Ein Unfall. Es geht ihm schon besser."
Sie
passierten die Kreuzung, an der die Straße zum Krankenhaus abzweigte.
„Soll
ich Sie nicht doch hinfahren?", Becker sprach wie ein Gentlemen und
fuhr wie ein Rowdie.
„Auf
keinen Fall", antwortete Herma. „Sie brauchen Hilfe, haben Sie
gesagt."
Den
Rest der Fahrt schwiegen sie. Becker schien unkonzentriert.
Als
er auf dem Parkplatz eines feinen Bürogebäudes einbog, fragte er
plötzlich: „Wie ist das Rennen ausgegangen?"
Diese
Frage hätte viel eher kommen müssen, dachte Herma.
Trotzdem
antwortete sie und erzählte knapp von dem Verlauf, Don Ventos Führung
und seinem Stillstand vor dem Zieleinlauf. Die Anschuldigungen ihrerseits
und die der Presse verschwieg sie.
Becker,
schloss die Tür auf und ließ Herma den Vortritt. Sie betrachtete den
grauen Veloursteppichboden und den lichten Gang mit erlesenen Kunstwerken
und vielen Türen. Becker lotste sie zur dritten Tür rechts, an einem
Glastäfelchen stand in Goldschrift „Konferenzraum 2".
„Hier
können Sie ungestört telefonieren. Ich bin gegenüber in meinem Büro,
wenn Sie fertig sind."
Nach
einem kurzen Blick in den kleinen Raum mit großer Fensterfront und Blick
auf das weite Land, den grauen Konferenztischen und einem geschmacklosen
Plastikblumenstrauß auf dem Tisch, fröstelte Herma.
„Ich
habe es mir anders überlegt. Vielleicht telefoniere ich später."
„Gut.
Dann wollen wir mal", sagte Becker zögernd.
Er
öffnete die Tür gegenüber. Er öffnete
die Tür gegenüber. Der Raum war fast identisch zum Konferenzraum, nur
reichte hier der Blick bis zum Hafen und die Blumen auf dem grauen
Schreibtisch waren echt und bunt und grell. Die Sonne hatte den
Raum aufgeheizt und beleuchtete mit ihrem warmen Abendlicht gegenüber vom
Schreibtisch eine Magnettafel über und über mit Zetteln und Pfeilen
bespickt. Becker sah zu Boden, als ob es ihm peinlich sei.
„Haben
Sie das alles zusammengestellt?" platzte es aus Herma heraus.
„Was
für wunderbare Zeichnungen! Sie hätten Cartoonist werden sollen!"
Sie
entdeckte ihren blauen Hut und lachte. „Mein Hut ist sogar noch
grässlicher als in Wirklichkeit!" Dann wurde sie stumm und las jeden
Zettel der Reihe nach durch.
„Sie
machen sich große Sorgen um Ihre Frau."
„Wieso
sagen Sie das so schuldbewusst?", fragte Becker.
„Weil
ich meinem Willi versprochen habe, nach dem Rennen vorbeizuschauen. Es war
kein Unfall, diese Verletzung. Vorgestern Abend wurde er mit einer Forke
niedergeschlagen."
Becker
suchte sich eine Karte, und malte eine Forke, als das Telefon klingelte.
Herma trat mit Becker an den Schreibtisch und linste auf das Display:
Vorwahl 0039, Italien.
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Folge 50 ..