Ferieninsel Krautsand - 49 -

 

 

 

 

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Herma ließ sich auf den Beifahrersitz fallen. Becker lenkte mit quietschenden Reifen aus der Parklücke auf die Hauptstraße.

„Angeber", dachte Herma und bereute ihren spontanen Entschluss sofort. Christel hatte wütend gefaucht, sie brauche sich überhaupt nicht mehr bei ihr blicken zu lassen, erst diese Detektivspielerei beim Rennen, die Blamage bei der Hutprämierung und jetzt das. Es stimmte. Sie standen wie Schießbudenfiguren auf dem Podest, das Publikum lächelte erst, dann grölten und beklatschten sie auffällig ironisch ihre Kunstwerke. Das schlimmste war, dass Christel alles laut und offen vor Becker und den Umstehenden hervorstieß. Zum Schluss hatte sie geschrieen: „Und Willi? Dein armer Mann liegt im Krankenhaus und wartet auf dich und du haust mit einem anderen ab?"

Das war so aberwitzig, dass Herma husten musste.

„Ist die Lüftung zu hoch eingestellt?", fragte Becker.

„Nein." Herma räusperte sich, um nicht wieder zu husten.

„Darf ich fragen, was Ihrem Mann fehlt?"

„Grips", wollte Herma sagen, aber zum Glück hinderte ein neuer Hustenanfall sie daran. „Ein Unfall. Es geht ihm schon besser."

Sie passierten die Kreuzung, an der die Straße zum Krankenhaus abzweigte.

„Soll ich Sie nicht doch hinfahren?", Becker sprach wie ein Gentlemen und fuhr wie ein Rowdie.

„Auf keinen Fall", antwortete Herma. „Sie brauchen Hilfe, haben Sie gesagt."

Den Rest der Fahrt schwiegen sie. Becker schien unkonzentriert.

Als er auf dem Parkplatz eines feinen Bürogebäudes einbog, fragte er plötzlich: „Wie ist das Rennen ausgegangen?"

Diese Frage hätte viel eher kommen müssen, dachte Herma.

Trotzdem antwortete sie und erzählte knapp von dem Verlauf, Don Ventos Führung und seinem Stillstand vor dem Zieleinlauf. Die Anschuldigungen ihrerseits und die der Presse verschwieg sie.

Becker, schloss die Tür auf und ließ Herma den Vortritt. Sie betrachtete den grauen Veloursteppichboden und den lichten Gang mit erlesenen Kunstwerken und vielen Türen. Becker lotste sie zur dritten Tür rechts, an einem Glastäfelchen stand in Goldschrift „Konferenzraum 2".

„Hier können Sie ungestört telefonieren. Ich bin gegenüber in meinem Büro, wenn Sie fertig sind."

Nach einem kurzen Blick in den kleinen Raum mit großer Fensterfront und Blick auf das weite Land, den grauen Konferenztischen und einem geschmacklosen Plastikblumenstrauß auf dem Tisch, fröstelte Herma.

„Ich habe es mir anders überlegt. Vielleicht telefoniere ich später."

„Gut. Dann wollen wir mal", sagte Becker zögernd.

Er öffnete die Tür gegenüber. Er öffnete die Tür gegenüber. Der Raum war fast identisch zum Konferenzraum, nur reichte hier der Blick bis zum Hafen und die Blumen auf dem grauen Schreibtisch waren echt und bunt und grell. Die Sonne hatte den Raum aufgeheizt und beleuchtete mit ihrem warmen Abendlicht gegenüber vom Schreibtisch eine Magnettafel über und über mit Zetteln und Pfeilen bespickt. Becker sah zu Boden, als ob es ihm peinlich sei.

„Haben Sie das alles zusammengestellt?" platzte es aus Herma heraus.

„Was für wunderbare Zeichnungen! Sie hätten Cartoonist werden sollen!"

Sie entdeckte ihren blauen Hut und lachte. „Mein Hut ist sogar noch grässlicher als in Wirklichkeit!" Dann wurde sie stumm und las jeden Zettel der Reihe nach durch.

„Sie machen sich große Sorgen um Ihre Frau."

„Wieso sagen Sie das so schuldbewusst?", fragte Becker.

„Weil ich meinem Willi versprochen habe, nach dem Rennen vorbeizuschauen. Es war kein Unfall, diese Verletzung. Vorgestern Abend wurde er mit einer Forke niedergeschlagen."

Becker suchte sich eine Karte, und malte eine Forke, als das Telefon klingelte. Herma trat mit Becker an den Schreibtisch und linste auf das Display: Vorwahl 0039, Italien.

 

.. Folge 50 ..

© Tine Sprandel

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 30.08.2007