Ferieninsel Krautsand - 47-

 

 

 

 

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Becker betrat sein Büro. Der Ventilator war ausgefallen, die Jalousien hatte er vergessen runter zulassen, in dem geräumigen Raum stand die Hitze.

„Wieso bin ich da nicht eher drauf gekommen?" Becker krempelte die Hemdsärmel hoch und strich sich das spärliche Haar aus der Stirn. Augenscheinlich wurde Francesca irgendwo gegen ihren Willen festgehalten. Graziano hatte seine Finger im Spiel. Aber es fehlte etwas. Es fehlte die Forderung. Keine Entführung ohne Forderung. Becker konnte sich zwar denken, dass sie mit dem dubiosen Strandhotel in Verbindung stand. Aber sie wurde bisher nicht ausgesprochen. Irgendwas ging auch für Graziano schief. Das war sein – Beckers – Glück.

Becker dachte an die unzähligen Krimis im Fernsehen und holte sich aus dem Konferenzraum eine riesige Magnettafel. Er schrieb alle Namen auf Kärtchen, malte Pfeile und Kreise. Der Schweiß rann ihm von der Stirn, während er auf Hermas Kärtchen einen blauen Topf malte. Rositas Karte wurde rosa und Grazianos Namen verunstaltete er mit gepunktetem Zigarrendampf.

Das erste Mal seit Francescas Verschwinden hatte Becker das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun.

Als alle Personen, Vorfälle und Details, die in den letzten Tagen geschehen waren auf Kärtchen gebannt waren, starrte Becker auf die Mitte seiner Tafel: Seidentuch stand da und eine dicker Pfeil zu Herma Prigge. Hier musste er anfangen. Er musste genau erfahren, wie wo und wann sie das Tuch gefunden hatte.

Becker traf Herma, als sie das Renngelände gerade verlassen wollte.

Er musste jetzt freundlich sein, sie zur Zusammenarbeit bewegen, aber bei dem Anblick der humpelnden Gestalt mit dem unmöglichen Hut, fehlten ihm die Worte. Becker pruste laut los.

Herma funkelte ihn böse an. „Wie können Sie nur so lachen, nach allem was passiert ist?"

„Entschuldigung, das ist die Anspannung. Ich habe etwas herausgefunden und brauche Ihre Hilfe." Becker wartete gespannt auf ihre Reaktion. Zuerst neigte sie den Kopf, dann schob sie ihr Gewicht von einem Bein auf das andere, beim drittenmal sackte sie ein und schrie kurz und zurückgehalten auf. Als er ihr den Arm reichen wollte, wehrte sie ab.

„Geht schon, eine alte Verletzung. Vorgestern, ach ich denke schon vorgestern ist Jahre her. Wieso brauchen Sie meine Hilfe?"

„Das möchte ich Ihnen gerne in meinem Büro erläutern."

Erstaunt rümpfte Herma die Nase. Es dauerte einen Augenblick, ehe sie antwortete.

„Wenn ich von dort aus nach Italien telefonieren darf?"

„Abgemacht", antwortete Becker schnell. Gleichzeitig fragte er sich, auf welcher Seite diese schrullige Urlauberin stand. Hatte er sie falsch eingeschätzt? Misstrauen kratzte wie scharfkantiger Granit in seinem Magen.

 

.. Folge 48 ..

© Tine Sprandel

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 25.08.2007