Becker
betrat sein Büro. Der Ventilator war ausgefallen, die Jalousien hatte er
vergessen runter zulassen, in dem geräumigen Raum stand die Hitze.
„Wieso
bin ich da nicht eher drauf gekommen?" Becker krempelte die
Hemdsärmel hoch und strich sich das spärliche Haar aus der Stirn.
Augenscheinlich wurde Francesca irgendwo gegen ihren Willen festgehalten.
Graziano hatte seine Finger im Spiel. Aber es fehlte etwas. Es fehlte die
Forderung. Keine Entführung ohne Forderung. Becker konnte sich zwar
denken, dass sie mit dem dubiosen Strandhotel in Verbindung stand. Aber
sie wurde bisher nicht ausgesprochen. Irgendwas ging auch für Graziano
schief. Das war sein – Beckers – Glück.
Becker
dachte an die unzähligen Krimis im Fernsehen und holte sich aus dem
Konferenzraum eine riesige Magnettafel. Er schrieb alle Namen auf
Kärtchen, malte Pfeile und Kreise. Der Schweiß rann ihm von der Stirn,
während er auf Hermas Kärtchen einen blauen Topf malte. Rositas Karte
wurde rosa und Grazianos Namen verunstaltete er mit gepunktetem
Zigarrendampf.
Das
erste Mal seit Francescas Verschwinden hatte Becker das Gefühl etwas Sinnvolles
zu tun.
Als
alle Personen, Vorfälle und Details, die in den letzten Tagen geschehen
waren auf Kärtchen gebannt waren, starrte Becker auf die Mitte seiner
Tafel: Seidentuch stand da und eine dicker Pfeil zu Herma Prigge. Hier
musste er anfangen. Er musste genau erfahren, wie wo und wann sie das Tuch
gefunden hatte.
Becker
traf Herma, als sie das Renngelände gerade verlassen wollte.
Er
musste jetzt freundlich sein, sie zur Zusammenarbeit bewegen, aber bei dem
Anblick der humpelnden Gestalt mit dem unmöglichen Hut, fehlten ihm die
Worte. Becker pruste laut los.
Herma
funkelte ihn böse an. „Wie können Sie nur so lachen, nach allem was
passiert ist?"
„Entschuldigung,
das ist die Anspannung. Ich habe etwas herausgefunden und brauche Ihre
Hilfe." Becker wartete gespannt auf ihre Reaktion. Zuerst neigte sie
den Kopf, dann schob sie ihr Gewicht von einem Bein auf das andere, beim
drittenmal sackte sie ein und schrie kurz und zurückgehalten auf. Als er
ihr den Arm reichen wollte, wehrte sie ab.
„Geht
schon, eine alte Verletzung. Vorgestern, ach ich denke schon vorgestern
ist Jahre her. Wieso brauchen Sie meine Hilfe?"
„Das
möchte ich Ihnen gerne in meinem Büro erläutern."
Erstaunt
rümpfte Herma die Nase. Es dauerte einen Augenblick, ehe sie antwortete.
„Wenn
ich von dort aus nach Italien telefonieren darf?"
„Abgemacht",
antwortete Becker schnell. Gleichzeitig fragte er sich, auf welcher Seite
diese schrullige Urlauberin stand. Hatte er sie falsch eingeschätzt?
Misstrauen kratzte wie scharfkantiger Granit in seinem Magen.
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Folge 48 ..