Ferieninsel Krautsand - 44-

 

 

 

 

Home
Nach oben
Mitglieder
Veröffentlichungen
Schreibwerk-"zeug"
Disclaimer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Klicken im Schlüsselloch versetzte Francesca einen Stich in den Bauch. Sie saß wie jeden Tag auf dem zwei Meter breiten Polsterbett und las, was sie im Regal daneben finden konnte. Einige Bücher kannte sie noch von früher, aus der Zeit als sie noch ein Teenager war.

Gebannt betrachtete sie die sich öffnende Zimmertür. Was würde er jetzt von ihr verlangen? Sie atmete tief ein. Egal was, sie würde sich widersetzen.

Im Türrahmen stand Bruno, Grazianos stummer Leibwächter. Francesca hatte nie in Erfahrung bringen können, wie dieses Koloss, der sie an das Aussehen einer Bulldogge erinnerte, seine Sprache verloren hatte. Bruno lebte schon vor ihrer Zeit bei Graziano in der Villa.

Mit einer Kopfbewegung gab er ihr zu verstehen, dass sie ihm folgen sollte.

„Sag Graziano, dass ich keine Lust habe, ihn zu sprechen."

Brunos Muskelpakete spannten sich unter seinen Hemdsärmeln. Er marschierte direkt auf Francesca zu, packte sie am Arm und nickte nochmals Richtung Zimmertür.

„Lass los, das tut weh, verdammt." Sie rieb sich den Oberarm und stand auf.

Bruno nahm ihr Handgelenk und schleppte sie wie ein trotziges kleines Kind hinter sich her.

Die Tür zu Grazianos Bibliothekzimmer stand offen. Im Tageslicht zog sich ein blauer Dunst durch den Raum. Der Lederstuhl vor dem schlicht gehaltenen Schreibtisch war zum Fenster gedreht. Rauchschwaden ringelten sich empor.

Francescas Puls schnellte in die Höhe.

„Da bist du ja, meine Süße." Graziano drehte sich zu ihr und grinste breit. „Bruno schenk mir noch einen Brandy ein und verschwinde dann."

Bruno ließ Francesca los und wandte sich rechts zu einer im Halbrund angelegten Bar, reichte ihm ein frisch eingeschenktes Glas und zog dann die Tür hinter sich zu. Graziano beobachtete Bruno ganze Zeit und zog dabei genussvoll an seiner Zigarre.

„Setz dich, Süße", sagte er schließlich und deutete mit seiner Zigarrenhand auf den ihm gegenüber stehenden Sessel aus tiefschwarzen Leder.

„Ich stehe lieber, Graziano."

Sie bemerkte sofort das leichte Zucken unter dem linken Augenlid. Kein gutes Zeichen.

Bene." Die lang gezogene Betonung des Wortes verriet ihr seine Ungeduld. Er stand auf, ging zum Fenster und schaute in die kleine Parkanlage. Die Sonne brannte herunter, schon seit Wochen.

„Ein wunderschöner Tag, nicht wahr." Erneut sog er den Rauch ein, hielt inne und stieß ihn wieder hustend hervor.

„Was willst du?" Francesca versuchte ruhig zu atmen.

„An wen liegt dir eigentlich mehr? An Paul oder an Giovanni?"

Unwillkürlich dachte sie an den Moment als er ihr den Telefonhörer aus der Hand gerissen und eine Ohrfeige versetzt hatte.

„Ich will das Herz!" Er drückte seine Zigarre in dem Marmoraschenbecher auf dem Schreibtisch aus, der bereits vor lauter Stumpen überquoll. Seine Augen funkelten sie an. Langsam schritt er auf sie zu. „Das Herz, Francesca."

„Wenn meine Mutter geahnt hätte …"

„Was?"

„…nie hätte sie dich geheiratet."

Er stand vor ihr, in gleicher Höhe, das Augenlid zuckte. „Sie wäre nicht so dumm gewesen."

„Ich sage es nicht", stieß Francesca verächtlich hervor, „und wenn du mich dafür tötest, Graziano. Du hast meine Mutter und meine Schwester auf dem Gewissen. Ich werde verhindern, dass du noch mehr Schaden anrichtest."

„Zszszs." Er schüttelte den Kopf. „Paul konnte es nicht verhindern, Süße. Er ist auf dem Weg zum Start. Noch ein paar Minuten und du siehst ihn nie mehr wieder, deinen ehrgeizigen Giovanni." Er lächelte. „Ein Wort von dir Francesca und ich stoppe ihn."

 

.. Folge 45 ..

© Sonja B.-Birkhöfer

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 22.08.2007