Ferieninsel Krautsand - 36 -

 

 

 

 

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Als Herma Christel an die Schulter tippte, stand sie bereits als Vorletzte in der Warteschlange.

„Ich nehme die Sachertorte und du?" Christel deutete auf die dunkle Torte, die nur noch zur Hälfte vorhanden war.

„Hinten anstellen", meckerte eine ältere Frau von der Seite.

„Ich will nichts", entschuldigte sich Herma.

„Was, du willst nichts?", fragte Christel zurück. Ihre Augen, die gerade noch wie der Schokoladenguss geglänzt hatten, blickten enttäuscht. „Vielleicht den Käsekuchen", versuchte sie es," der schaut auch sehr gut aus."

„Bist du sehr böse, wenn ich dich alleine essen lasse?"
"Ja", kam es prompt zurück. „Deine Detektivspielchen gehen mir wirklich auf die Nerven."

„Christel …"

„Ich kaufe für dich die Sacher, dann gehen wir zurück zum Tisch und essen sie genüsslich auf."

Herma sah im Moment keine Möglichkeit, sich dem zu entziehen ohne Christels Freundschaft zu riskieren. Schließlich stand sie mit ihr an dem Stehtisch und schob sich ein riesiges Stück nach dem anderen in den Mund. Über die Lautsprecher wurden der Sieger des zweiten Rennens gemeldet. Christel interessierte sich nicht dafür. Sie erzählte von Kurt und seinen Angelerfolgen während Herma sich ertappte, dass sie nach der Unbekanten Ausschau hielt.

Herma bekam das Gefühl nicht los, dass diese Frau die Badetasche erkannt hatte. Woran aber, schließlich trugen sie viele Touristen.

„So groß!" Christel breitete ihre Hände aus und zeigte eine Spannbreite von einem halben Meter. „Kurt war mächtig stolz."

Herma nickte.

Die Badetasche war einfach genäht, hatte keinen Aufdruck, der auf eine besondere Marke schließen ließ. Durch das abwaschbare Material hatte Herma sie wunderbar reinigen können. Und das kleine Herz am Zieper konnte man an jeder Straßenecke kaufen.

„Hörst du mir eigentlich zu, weil du deine Tasche so anstarrst?"

„Sicher!", erwiderte Herma und merkte sofort, dass das wenig überzeugend rüber kam.

„So toll ist die nun auch wieder nicht und völlig out, wenn ich das mal bemerken darf. Diesen runden Schnitt gab es vor Jahren, jetzt sind die kantig geschnitten, viel moderner."

„Genau!" Herma strahlte und Christel schaute sie an als hätte sie zuviel getrunken. „Schön das dich das so erfreut."

„Christel, ich verschwinde mal kurz."

„Ich dachte, wir essen unseren Kuchen."

„Tun wir auch, ich muss nur mal." Herma packte ihre Tasche und verschwand in die Richtung, in die der WC-Pfeil deutete.

Sie musste Herma die ganze Zeit beobachtet haben, denn kaum war Christel außer Sichtweite, stand die Unbekannte neben ihr. Herma fiel sofort auf, dass sie die Kette nicht mehr am Hals trug.

„Wo haben Sie meine Tasche gefunden?", begann sie ohne Umschweife.

„Ihre Tasche?" Herma umspannte fest die Henkel.

„Stellen Sie sich nicht so dumm. Die, die sie bei sich tragen. Das ist meine, ich habe sie vermisst und ich möchte sie sofort wieder haben."

„Wer sind Sie eigentlich?" Herma dachte nicht daran, sie ihr auszuhändigen. Irgendetwas führte diese Frau im Schilde.

„Das spielt keine Rolle, gute Frau.", presste sie zwischen ihren roséfarbenen Lippen hervor. „Diese Tasche ist eindeutig meine."

„Tut mir leid, das könnte wohl jeder behaupten."

„Ich rufe die Polizei und dann werden wir sehen …" Wenn ihre Augen hätten Feuer spucken können, sie hätten Herma mit samt der Tasche versenkt.

„Tun Sie das." Du holst nicht die Polizei, da war sich Herma sicher.

„Gut", lenkte sie nun ein, „ich bin Maria Larsen."

Und ich die Queen von England.

„Herma Prigge", stellte sie sich vor und sofort beschlich sie das ungute Gefühl, soeben einen Fehler gemacht zu haben.

Die Frau schaute kurz um sich. „Die Tasche ist mir an sich gar nicht so wichtig."
Aha, wusste sie es doch. Hermas Puls schoss in die Höhe.

„Es ist das Schmuckstück, ein Herz. Ich habe es von meinen Mann geschenkt bekommen."

Von Giovanni meinst du wohl eher. Herma wartete ab, was noch kommen würde.

„Bitte, geben Sie es mir zurück!"

„Entschuldigen Sie, Frau Larsen. In der Tasche ist kein Schmuckstück. Sie müssen sich irren. Ich muss jetzt auch dringend." Herma lächelte unschuldig, ließ die Frau stehen und stiefelte in die Toilette, die gerade freigeworden war.

Hinter der Tür riss sie die Tasche auf und holte das Herz heraus. Was war nur so besonders an dem Stück. Sie drehte und wendete es.

Einfaches Silber und die Steine, sicher nicht echt. Aber etwas war da.

Herma suchte in der Tasche nach ihrer Lesebrille, setzte sie auf und betrachtete das Schmuck erneut. Sie fuhr mit ihrem Finger am Rand entlang und spürte an der linken Seite eine Erhebung. Schnell überprüfte sie die andere Seite, sah die winzige Einkerbung und stieß ihren Fingernagel hinein. Das Amulett ließ sich problemlos öffnen. Ein Stück Papier fiel zu Boden. Herma bückte sich. Das war es also, was sie haben wollte. Das sollte wohl nicht jeder sehen.

 

.. Folge 37 ..

© Sonja B.-Hoffmann

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 14.08.2007