„Und?"
Rosita blickte Becker erwartungsvoll an, der verschwitzt und mit wirren
Haaren im Festzelt erschien.
„Nichts."
Mit zwei Handbewegungen glättete er seine Frisur.
„Und
wenn du dich doch geirrt hast?", begann Rosita vorsichtig. Sie
stockte,
als Beckers wütender Blick sie traf.
„Ich
werde doch meine Frau erkennen."
„Paul,
vielleicht siehst du nur das, was du gerne sehen möchtest. Unter diesen
Umständen wäre das mehr als verständlich. Die Ungewissheit ist
schlimm", antwortete Rosita sanft.
Becker
sackte in sich zusammen. Alle Kraft schien aus ihm gewichen zu sein.
„Möglicherweise
hast du Recht. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie …"
Rosita lächelte ihn mitfühlend an und legte ihre Hand auf die seine.
Becker
hob den Kopf. Seine Mundwinkel verzogen sich kurz zu einem traurigen
Lächeln.
„Dein
Verständnis tut gut. Danke." Er drückte sich mit den flachen
Händen auf der Tischplatte ab. „Ich will dir nicht den Nachmittag
verderben. Genieß Giovannis Sieg. Kein Zweifel, dass er gewinnen
wird."
„Kann
ich dich wirklich allein lassen?"
„Natürlich.
Im Büro wartet noch einiges an Arbeit auf mich. Das wird mich eine Weile
ablenken. " Sie nickte.
Becker
schloss die Tür zum Büro auf. Stickige Luft strömte ihm entgegen. Er
öffnete die Fenster. Musik drang leise vom Festplatz hinauf.
Becker
schaltete den Laptop ein. Sein Blick fiel auf den Terminkalender. Er
blätterte zurück zu dem Tag, an dem Francesca verschwunden war. Drei
Tage vorher hatte er sich mit Graziano Pandetti getroffen. Wenn Francesca
ihn nicht darum gebeten hätte, wäre er niemals zu ihm gefahren. Er
mochte diesen schmierigen, überheblichen Kerl nicht. Aber er konnte
seiner Frau nichts abschlagen.
Als
Graziano ihm dieses dubiose Angebot wegen des Strandhotels machte, lehnte
er sofort ab. Becker besaß einen guten Namen im Immobiliengeschäft. Den
setzte er nicht aufs Spiel. Selbst dann nicht, wenn dieser feiste
Italiener Francescas Vater wäre. Was hatte Graziano damals geantwortet?
„Ich
versteh das. Francesca deutete so was an. Wir sind eine große
Familie." Dann steckte er sich eine Zigarre zwischen die gelben
Zähne.
Wie
konnte er nur so naiv gewesen sein, zu glauben, mit seiner Ablehnung wäre
die Sache erledigt? Schließlich kannte er dieses schonungslose Business
zu gut. Er bezeichnete sich selbst als harten, aber fairen
Verhandlungspartner. Ein Mann wie Graziano nahm jedoch keine Rücksichten.
Auch nicht auf seine Familie?
Und
wieso meldete er sich nicht? Wie sollte er die Kontrolle in diesem Spiel
behalten, wenn er seine Figuren nicht dirigierte? Zumal der Vertrag kurz
vor dem Abschluss stand. Die Zeit lief ihm davon.
Becker
nahm den Hörer des Telefons ab. Sein Zeigefinger tippte 0039…
..
Folge 36 ..