Ferieninsel Krautsand - 35 -

 

 

 

 

Home
Nach oben
Mitglieder
Veröffentlichungen
Schreibwerk-"zeug"
Disclaimer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Und?" Rosita blickte Becker erwartungsvoll an, der verschwitzt und mit wirren Haaren im Festzelt erschien.

„Nichts." Mit zwei Handbewegungen glättete er seine Frisur.

„Und wenn du dich doch geirrt hast?", begann Rosita vorsichtig. Sie

stockte, als Beckers wütender Blick sie traf.

„Ich werde doch meine Frau erkennen."

„Paul, vielleicht siehst du nur das, was du gerne sehen möchtest. Unter diesen Umständen wäre das mehr als verständlich. Die Ungewissheit ist schlimm", antwortete Rosita sanft.

Becker sackte in sich zusammen. Alle Kraft schien aus ihm gewichen zu sein.

„Möglicherweise hast du Recht. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie …" Rosita lächelte ihn mitfühlend an und legte ihre Hand auf die seine.

Becker hob den Kopf. Seine Mundwinkel verzogen sich kurz zu einem traurigen Lächeln.

„Dein Verständnis tut gut. Danke." Er drückte sich mit den flachen Händen auf der Tischplatte ab. „Ich will dir nicht den Nachmittag verderben. Genieß Giovannis Sieg. Kein Zweifel, dass er gewinnen wird."

„Kann ich dich wirklich allein lassen?"

„Natürlich. Im Büro wartet noch einiges an Arbeit auf mich. Das wird mich eine Weile ablenken. " Sie nickte.

Becker schloss die Tür zum Büro auf. Stickige Luft strömte ihm entgegen. Er öffnete die Fenster. Musik drang leise vom Festplatz hinauf.

Becker schaltete den Laptop ein. Sein Blick fiel auf den Terminkalender. Er blätterte zurück zu dem Tag, an dem Francesca verschwunden war. Drei Tage vorher hatte er sich mit Graziano Pandetti getroffen. Wenn Francesca ihn nicht darum gebeten hätte, wäre er niemals zu ihm gefahren. Er mochte diesen schmierigen, überheblichen Kerl nicht. Aber er konnte seiner Frau nichts abschlagen.

Als Graziano ihm dieses dubiose Angebot wegen des Strandhotels machte, lehnte er sofort ab. Becker besaß einen guten Namen im Immobiliengeschäft. Den setzte er nicht aufs Spiel. Selbst dann nicht, wenn dieser feiste Italiener Francescas Vater wäre. Was hatte Graziano damals geantwortet?

„Ich versteh das. Francesca deutete so was an. Wir sind eine große Familie." Dann steckte er sich eine Zigarre zwischen die gelben Zähne.

Wie konnte er nur so naiv gewesen sein, zu glauben, mit seiner Ablehnung wäre die Sache erledigt? Schließlich kannte er dieses schonungslose Business zu gut. Er bezeichnete sich selbst als harten, aber fairen Verhandlungspartner. Ein Mann wie Graziano nahm jedoch keine Rücksichten. Auch nicht auf seine Familie?

Und wieso meldete er sich nicht? Wie sollte er die Kontrolle in diesem Spiel behalten, wenn er seine Figuren nicht dirigierte? Zumal der Vertrag kurz vor dem Abschluss stand. Die Zeit lief ihm davon.

Becker nahm den Hörer des Telefons ab. Sein Zeigefinger tippte 0039…

 

.. Folge 36 ..

© Marion Pletzer

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 13.08.2007