Ferieninsel Krautsand - 32 -

 

 

 

 

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Giovanni zog die Kappe tief ins Gesicht. Das gleißende Sonnenlicht tat seinen Augen weh. Alles kam ihm so unwirklich vor. Es war einfach zuviel gewesen, was er in den vergangenen Tagen aushalten musste. Wer hätte vor zwei Tagen gedacht, dass er heute bei strahlendem Wetter hinter Don Vento auf diesem Sulky sitzen würde? Er spürte zwar, dass ihm der Unfall noch in den Knochen steckte, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, aber es ging ihm erheblich besser als am Vortage. Auch an Don Vento war der Crash nicht spurlos vorüber gegangen. Es dauerte eine Weile, bis er in Trab kam. Vor allem, als sie die Unfallstelle passierten, wurde er unruhig. Giovanni hatte Mühe ihn in Schach zu halten. War das denn ein Wunder? Wer weiß, was er nach Giovannis Sturz erlebt hatte?

Als sie endlich das Elbufer erreicht hatten, ging es Fahrer und Pferd besser. Don Vento hielt die Nase in den Wind und trabte wie an seinen besten Tagen, als wollte er ihm seine Freundschaft beweisen. Es war, als würde sich all der Kummer in der klaren Luft auflösen. Wenn es doch nur so wäre.

Als Giovanni von dieser entspannten Trainingsfahrt zurück kam, war sein Stallmeister mal wieder nicht da. Fast hätte er ja schon damit rechnen müssen. Er brachte Don Vento in den Schuppen und versorgte ihn. Doch diesem Ärger folgte eine freudige Überraschung. Seine Schwester kam den Weg hoch. Sie liefen sich entgegen und umarmten sich erst einmal ausgiebig.

„Dass du gekommen bist, Rosita. Du glaubst gar nicht, wie ich mich freue. Gerade heute. Konntest du dich frei machen?"

Sie strich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn und küsste ihn.

„Und ich freue mich, dich einigermaßen heil zu sehen und dass du noch nicht auf dem Rennplatz bist, Giovanni. Mein Gott, was war eigentlich los in den vergangenen Tagen?"

„Hast du das auch schon gemerkt? Komm setzen wir uns auf die Bank."

„Ja, in den Schatten. Ein Rennwetter ist das heute. Wie für dich gemacht, Giovanni. Aber sag mal. Bist du okay?" Sie schaute ihn mit sorgenvoller Miene an.

„Einigermaßen. Ich kann nicht sagen, dass es mir sehr gut geht. Doch ich kann starten. Und das ist jetzt erst mal das Wichtigste. Die anderen Sachen muss ich später regeln."

„Die anderen Sachen, da sagst du was."

„Irgendjemand spielt falsch, Rosita. Ich weiß das, kann aber im Moment nichts tun."

„Darüber können wir nach dem Rennen sprechen, Giovanni. Jetzt ist erst einmal etwas anderes wichtig. Die Polizei …"

„Polizei?"

„Du weißt doch die Polizisten von Drochtersen mögen die Galottis von der Pizzeria."

„Ja und?"

„Also ich bin doch mit dem Becker …"

„Hör mir mit dem auf, Rosita."

„Ja, ja. Also die Polizisten, die den Becker angehalten haben, bei dem ich im Auto saß, oder einer der Polizisten, hat mich gebeten dich zu warnen."

Giovanni wurde nachdenklich. Irgendwie überraschte ihn das nicht.

„Was meinst du? Oder was meinte er?"

„Dein Rennwagen, Giovanni. Prüfe vor dem Rennen noch einmal alle Schraubverbindungen, vor allem die Achsen, damit nichts passieren kann."

 

Alfredo kam mit quietschenden Reifen die Straße hoch, sprang aus dem Auto und rannte auf die beiden zu.

„Hi Rosita. Sorry Giovanni, ich hatte noch dringend was bei der Rennleitung zu regeln. Alles klar gegangen beim Training?"

„Alles klar, Alfredo."

Dir werde ich auf die Finger gucken, mein Bürschchen, dachte Giovanni.

 

.. Folge 33 ..

© Renate Hupfeld

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 10.08.2007