Giovanni
zog die Kappe tief ins Gesicht. Das gleißende Sonnenlicht tat seinen
Augen weh. Alles kam ihm so unwirklich vor. Es war einfach zuviel gewesen,
was er in den vergangenen Tagen aushalten musste. Wer hätte vor zwei
Tagen gedacht, dass er heute bei strahlendem Wetter hinter Don Vento auf
diesem Sulky sitzen würde? Er spürte zwar, dass ihm der Unfall noch in
den Knochen steckte, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, aber es ging
ihm erheblich besser als am Vortage. Auch an Don Vento war der Crash nicht
spurlos vorüber gegangen. Es dauerte eine Weile, bis er in Trab kam. Vor
allem, als sie die Unfallstelle passierten, wurde er unruhig. Giovanni
hatte Mühe ihn in Schach zu halten. War das denn ein Wunder? Wer weiß,
was er nach Giovannis Sturz erlebt hatte?
Als
sie endlich das Elbufer erreicht hatten, ging es Fahrer und Pferd besser.
Don Vento hielt die Nase in den Wind und trabte wie an seinen besten
Tagen, als wollte er ihm seine Freundschaft beweisen. Es war, als würde
sich all der Kummer in der klaren Luft auflösen. Wenn es doch nur so
wäre.
Als
Giovanni von dieser entspannten Trainingsfahrt zurück kam, war sein
Stallmeister mal wieder nicht da. Fast hätte er ja schon damit rechnen
müssen. Er brachte Don Vento in den Schuppen und versorgte ihn. Doch
diesem Ärger folgte eine freudige Überraschung. Seine Schwester kam den
Weg hoch. Sie liefen sich entgegen und umarmten sich erst einmal
ausgiebig.
„Dass
du gekommen bist, Rosita. Du glaubst gar nicht, wie ich mich freue. Gerade
heute. Konntest du dich frei machen?"
Sie
strich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn und küsste ihn.
„Und
ich freue mich, dich einigermaßen heil zu sehen und dass du noch nicht
auf dem Rennplatz bist, Giovanni. Mein Gott, was war eigentlich los in den
vergangenen Tagen?"
„Hast
du das auch schon gemerkt? Komm setzen wir uns auf die Bank."
„Ja,
in den Schatten. Ein Rennwetter ist das heute. Wie für dich gemacht,
Giovanni. Aber sag mal. Bist du okay?" Sie schaute ihn mit
sorgenvoller Miene an.
„Einigermaßen.
Ich kann nicht sagen, dass es mir sehr gut geht. Doch ich kann starten.
Und das ist jetzt erst mal das Wichtigste. Die anderen Sachen muss ich
später regeln."
„Die
anderen Sachen, da sagst du was."
„Irgendjemand
spielt falsch, Rosita. Ich weiß das, kann aber im Moment nichts
tun."
„Darüber
können wir nach dem Rennen sprechen, Giovanni. Jetzt ist erst einmal
etwas anderes wichtig. Die Polizei …"
„Polizei?"
„Du
weißt doch die Polizisten von Drochtersen mögen die Galottis von der
Pizzeria."
„Ja
und?"
„Also
ich bin doch mit dem Becker …"
„Hör
mir mit dem auf, Rosita."
„Ja,
ja. Also die Polizisten, die den Becker angehalten haben, bei dem ich im
Auto saß, oder einer der Polizisten, hat mich gebeten dich zu
warnen."
Giovanni
wurde nachdenklich. Irgendwie überraschte ihn das nicht.
„Was
meinst du? Oder was meinte er?"
„Dein
Rennwagen, Giovanni. Prüfe vor dem Rennen noch einmal alle
Schraubverbindungen, vor allem die Achsen, damit nichts passieren
kann."
Alfredo
kam mit quietschenden Reifen die Straße hoch, sprang aus dem Auto und
rannte auf die beiden zu.
„Hi
Rosita. Sorry Giovanni, ich hatte noch dringend was bei der Rennleitung zu
regeln. Alles klar gegangen beim Training?"
„Alles
klar, Alfredo."
Dir
werde ich auf die Finger gucken, mein Bürschchen, dachte Giovanni.
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Folge 33 ..