6. Dezember 2007

 

 

 

 

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 Ein Edelweiß klebte platt gedrückt zwischen den Seiten, daneben die Worte: „Denk immer an mich, wenn du liest." Fast genau diese Worte hatte Aaron zu ihr gesagt. Damals, kurz bevor er ohne ein Wort des Abschieds für immer aus ihrem Leben verschwand. Er verband seine Worte mit einem Geschenk, einem Lesezeichen.

Eine Enzianblüte und ein Edelweiß, gepresst zwischen zwei Lagen Pergamentpapier und dann auf Pappe geklebt.

„Die Blumen habe ich selbst gepflückt. Ich kann deine Begeisterung für Bücher zwar nicht teilen, aber wenigstens denkst du nun jedes Mal an mich, wenn du eines zur Hand nimmst."

Sarah schlurfte zu der Kirschbaumkommode in ihrem Schlafzimmer. In der obersten Schublade bewahrte sie alle Andenken der Vergangenheit auf. Fotos, Briefe einer längst verstorbenen Freundin und dieses Lesezeichen. Sie hielt es ins Licht der Schlafzimmerlampe. Das Pergament und die beigefarbene Pappe waren vergilbt, aber ansonsten sah es tadellos aus. Seit dem Tag, als Aaron verschwand, hatte sie es nicht mehr benutzt. Es sollte nicht verschmutzen oder unbrauchbar werden. Außerdem brauchte sie es nicht als Gedankenstütze.

Sie ging zurück ins Wohnzimmer und nahm das Buch wieder zur Hand.

Die Figur der Meta kam ihr bekannt vor. Gleich beim Lesen der ersten Seite. Ob aus eigenem Erleben oder aus den Erzählungen anderer konnte sie nicht sagen. Alles war so verdammt lange her.

Sarah schaute auf den Umschlag. Die Autorin hieß Rachel Schwarzbauer.

Rachel, Rachel. In ihrem Gedächtnis schien eine Lücke zu klaffen.

Wie war das noch, als sie Aaron das letzte Mal sah? Sie saßen auf der Bank vor ihrem Elternhaus. Er erzählte von seinen Plänen, einen neuen Gipfel besteigen zu wollen. Sie hatte über seine Begeisterung gelacht und gleichzeitig fürchtete sie, dass sie ihn eines Tages an seinen Wagemut verlieren würde.

Hatte er da nicht eine Rachel erwähnt? So nebenbei, als wäre sie unwichtig. Natürlich, sie war eine Bergsteigerin, wie er. Sarah erinnerte sich auf einmal deutlich an das Gefühl der Eifersucht, weil diese Frau etwas so wichtiges mit ihm teilte. Etwas, das sie ihm nicht geben konnte. Aber ob es die Rachel war, die das Buch geschrieben hatte?

 

..7.12..

© Marion Pletzer

 
 

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  Stand: 06.12.2007