Warum
meldete sich Giovanni nicht? Das Rennen musste inzwischen zu Ende sein.
Graziano ließ das VoIP-Telefon bis zum Besetztzeichen durchklingeln, dann
legte er es achtlos neben das Ladegerät.
Bruno
drehte den Fernseher auf der Terrasse so, dass sich die Sonnenstrahlen
nicht in der Mattscheibe spiegelten. Mit dem Handy in der einen, der
versilberten Wohnzimmeruhr in der anderen Hand trat Graziano hinaus. Er
stellte die Uhr vor sich auf den Tisch und legte die Beine hoch. So hatte
er die Zeit im Blickfeld, während er sich den „Großen Preis von
Ungarn" anschaute.
Gesetzt
hatte er dieses Mal nicht– die Piste in Budapest war nicht für das cavallino
gemacht. Dennoch: Es wurde höchste Zeit, dass Ferrari wieder gewann. Wenn
nicht, würde er sein Geld ganz für richtige Pferde ausgeben – 1 PS
statt 300 PS.
Während
die Fahrer ihre Motoren starteten, griff Graziano zum Handy; dieses Mal
wählte er Alfredos Nummer.
„Padrone,
Giovanni ruft Sie gleich an."
Graziano
fluchte. „Ich will nur das Ergebnis!"
Alfredos
Antwort ging im Aufheulen der Formel 1-Motoren unter; dann war die
Verbindung zu Ende. Graziano wählte noch einmal, aber nun bekam er bloß
eine „Ausgeschaltet oder nicht erreichbar"-Antwort. Er feuerte das
Handy quer über die Terrasse.
In
der nächsten Minute ließ er sich vom Rennen auf dem Bildschirm fesseln.
Ein flüchtiger Gedanke noch, wie viele Trabrennen eigentlich übertragen
wurden, dann hatte er Krautsand vergessen.
Zwei
Runden vor Schluss klingelte das Telefon im Wohnzimmer, aber Graziano saß
mit geballten Fäusten und der Hoffnung da, Raikkonen würde es doch noch
auf den ersten Platz schaffen.
Als
Hamilton auf die Zielgerade bog, klingelte es wieder. Na also, dachte
Graziano, wer etwas will, versucht es wieder. Er griff nach der
Fernbedienung und stellte sie lauter, als Hamilton und nur Sekunden
später Raikkonen über die Ziellinie fuhren. Vielleicht war das cavallino
doch noch etwas wert.
Ein
Klirren im Wohnzimmer ließ ihn herumfahren. Francesca stand dort mit dem
Telefon in der Hand, vor ihr die Scherben der kleinen Ming-Vase. Wann war
sie heruntergekommen?
Francescas
Blick war starr. Sie wirkte entsetzt, obwohl sie durch ihn hindurch zu
blicken schien.
„Francesca?"
Graziano stand auf.
„Giovanni
..." Ihre Lippen zitterten. Ehe er bei ihr war, legte sie auf.
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Folge 52 ..