Ferieninsel Krautsand - 42 -

 

 

 

 

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Maledetto!" Giovanni fluchte hemmungslos. Dass Alfredo nicht alle Papiere abgegeben hatte, war doch undenkbar. „Sie müssen den Abstammungsnachweis falsch abgelegt haben."

Das Mädchen wickelte eine ihrer langen Strähnen um die Finger und blickte sich suchend um. Ein Mensch in Anzugjacke und Schlips kam zu ihnen.

„Herr Petersen, der Jockey sagt ..."

„... dass wir alle Papiere abgegeben haben. Sie müssen da sein." Giovanni blickte auf die Uhr, die neben dem aufgerollten Plastikfenster hing. Alfredo hatte eine Quittung bekommen; damit würde er es beweisen. Noch fünf Minuten. „Ich muss an den Start! Suchen Sie inzwischen."

„Sie können aber nicht starten!" Der Herr Petersen packte ihn am Arm.

Giovanni blickte auf Petersens Hand. „Wie schön! So leicht bin ich noch nie zu einer Siegprämie gekommen."

Petersen schnappte nach Luft.

Giovanni grinste. „Denn Sie werden sie aus Ihrer Tasche bezahlen, sobald sich herausstellt, dass die Papier verloren gegangen sind." Er streifte Petersens Hand ab. „Ich habe einen guten Anwalt."

„Christina, wieso fällt das erst zehn Minuten vor dem Start auf?" Petersens Gesichtsfarbe wechselte von totenblass zu puterrot, als er zu toben begann. „Hat das niemand vorher kontrolliert?"

Zwei Männer am Zelteingang drehten sich aufgeschreckt um. Christina rutschte der Aktendeckel aus der Hand; in dem diffusen Licht des Zeltinneren schimmerte ihre Haut plötzlich grünlich-krank. Giovanni blickte wieder auf die Uhr. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte er sich jetzt amüsiert.

Ein Stuhl knallte in einer Ecke zu Boden, als sich dort eine ältere Frau in einem taubenblauen Seidenkostüm erhob. Mit drei Schritten war sie bei ihnen. „Das ist der Jockey aus Italien, nicht wahr?"

„Sehr wohl, Frau Kaulitz." Petersen deutete eine Verneigung an und zog ein Taschentuch aus der Jacketttasche. „Diese Hitze!" Er wischte sich die Stirn. „Man kann sich kaum konzentrieren!" Er starrte die Assistentin an und wedelte dabei so nachdrücklich mit seinem Tuch, dass Giovanni sicher war, darin steckte eine Botschaft.

„Wenn Signor Pavarese ..." Christina bückte sich, sammelte die Papiere vom Boden auf und legte sie ungeordnet in den Aktendeckel zurück.

Frau Kaulitz folgte Giovannis Blick, der immer noch auf die Uhr starrte. „Wir haben in einer halben Stunde einen Empfang. Aber mein Mann legt äußersten Wert darauf, Don Vento laufen zu sehen. Also sorgen Sie gefälligst dafür, dass das Rennen bald beginnt."

Petersen zerrte am Krawattenknoten. „Aber die Papiere ..."

Frau Kaulitz trat noch einen Schritt näher. Sie schien auf den Aktendeckel zeigen zu wollen, aber dann wischte sie ihn mit einer heftigen Bewegung von der Theke. Christina streckte ihre Hände aus, doch ihre Reaktion kam zu spät. Dieses Mal flatterten die Papiere direkt vor Giovanni auf den Boden.

„Sie können ihn hinterher immer noch disqualifizieren lassen", sagte Frau Kaulitz gerade.

„Wir machen uns unmöglich!" Petersen lief schon wieder rot an.

„Wenn Sie ihn jetzt nicht starten lassen, auch." Sie nickte Giovanni zu. „Gehen Sie, Signor Pavarese. Dies ist mein Rennen."

„Ich widmen Ihnen unseren Sieg." Bis eben hätte Giovanni es für undenkbar gehalten, dass er einmal einer Frau den Hof machen würde, die doppelt so alt war wie er. Er schenkte ihr sein verführerischstes Lächeln und wandte sich zum Zeltausgang.

„Lassen Sie mich durch", klang von draußen Rolf Beckers Stimme. Im nächsten Augenblick stand er vor Giovanni. Zuerst blinzelte er überrascht, dann ging sein Blick durchs Zelt und blieb an Frau Kaulitz hängen. „Sie dürfen diesen Mann nicht starten lassen! Sein Pferd ..."

„Die Doping-Kontrolle war negativ", sagte Petersen überraschend lahm.

„Trotzdem! Etwas ist da faul."

Giovanni holte aus und schlug zu. Becker taumelte rückwärts gegen eine Zeltstange und drückte sich den Handrücken gegen den Mund.

 

.. Folge 43 ..

© Annemarie Nikolaus

 
 

 Copyright © 2005
  Stand: 21.08.2007