Meta
schaute in das Schneegestöber draußen. Von ihrem Fenster hatte sie einen
weiten Blick über das Meer. Bis zur Insel konnte sie bei gutem Wetter
sehen. Aber jetzt reichte die Sicht nur ein paar Meter. Ihr fröstelte.
Nirgends war ein Lebewesen zu sehen. Nicht einmal Möwen waren unterwegs.
Der Schnee dämpfte die Geräusche und ließ alles unwirklich erscheinen.
Sie
stand auf und schlürfte zum Lichtschalter. Kaltes Licht erhellte den Raum.
Nein, so kam keine Stimmung auf. Sie schlürfte weiter zur Anrichte, ließ
sich ächzend auf ihre Knie nieder und wühlte im Inneren herum. Schließlich
fand sie, was sie gesucht hatte: Einen Kerzenständer und eine Kerze.
Sie
stemmte sich an den Schranktüren hoch und stellte den Kerzenständer auf
das Fensterbrett. Mit zitternden Fingern zündete sie das Licht an. So war
es schon besser.
Sie
ließ sich in ihrem Lehnsessel nieder. Vor ihrem inneren Auge entstanden
Szenen vergangener Tage. Kinder lachten und tobten über den Hof. Auf der
Koppel weideten Stuten mit ihren Fohlen. Weiter hinten wiegte sich das
Getreide im Wind.
Ein
brenzliger Geruch schreckte sie hoch. Die Kerze war herabgebrannt. Flammen
züngelten am Holzständer entlang.
Meta
pustete kräftig, hörte aber sofort damit auf, weil die Flamme dabei
Richtung Gardine schlug. Hilfesuchend schaute sie sich im Zimmer um. Auf
dem Stuhl am Tisch lag eine Wolldecke und verdeckte das zerschlissene
Rohrgeflecht.
Hastig
stand sie auf. Mit einem Aufschrei sank sie zurück. Ihre alten Gelenke
vertrugen keine schnellen Bewegungen.
Es
klopfte an der Tür.
„Ja,
doch", rief Meta.
Aus
dem Klopfen wurde lautes Trommeln.
..2.12..
© Annette Paul